Die „Honeymoonphase“ in der Eltern-Kindbeziehung
In den ersten zwei Lebensjahren sind unsere Kinder noch auf symbiotische Weise mit uns Eltern und vor allem mit der Mutter verbunden. In diesem Zeitraum treten Konflikte zwischen Eltern und Kindern seltener auf, da die Kinder naturgemäß weitaus kooperativer sind. Rund um den 2. Geburtstag ändert sich das, denn unsere Kinder entwickeln einen freien Willen und das Gefühl dafür, eine eigenständige Person zu sein.
An dieser Stelle ändert sich etwas in der Eltern- Kind Dynamik. Wo vorher noch liebevolle Eintracht herrschte, kommt es jetzt immer öfter zu Meinungsverschiedenheiten. Zuvor war gelebte bedingungslose Liebe noch sehr einfach, jetzt beginnt die challenge. Aus meiner Erfahrung beginnt jetzt die Zeit, in der Eltern sich durch das Verhalten ihrer Kinder vermehrt getriggert fühlen und eigene Kindheitswunden erlebbar werden. Man erkennt plötzlich Tendenzen im eigenen Verhalten, die man noch von den Eltern aus der eigenen Kindheit kennt und aber bis dahin völlig aus dem Bewusstsein verdrängt hatte. Man wiederholt spätestens jetzt, wenn die starke Symbiose der ersten beiden Jahre vorüber ist, die negativen Erfahrungen und falschen Prägungen aus der eigenen Kindheit. Wir wiederholen ganz automtatisch, was wir erlernt haben über das Elternsein, wenn wir selbst Eltern werden. Unser Autopilot übernimmt, wenn wir nicht präsent sind.
Der 2. Geburtstag als Gamechanger
Der 2. Geburtstag ist ein Meilenstein in der kindlichen Entwicklung und zugleich ein Gamechanger in der Eltern Kind Beziehung.
Der zweite Geburtstag meines Kindes, ging mit dieser Erkenntnis und in späterer Folge mit der Entscheidung einher, von nun an bis zur Pubertät nicht ständig mit meinem Kind streiten zu wollen, sondern einen anderen Weg einzuschlagen, als meine eigenen Erziehungsberechtigten es in meiner Kindheit gemacht haben.
Ich wusste, dass ich mich ab jetzt mit der „Erziehungskunst“ auseinandersetzen musste, um die Beziehung zu meinem Kind intakt zu erhalten und um zu gewährleisten, dass sich mein Kind möglichst gesund entwickeln kann.
An dieser Stelle möchte ich einmal festhalten, dass alle Eltern immer wieder einmal Fehler machen, während man an einer Stelle versucht, etwas besonders richtig zu machen, übersieht man an einer anderen Stelle etwas. Wir haben auch bessere und schlechtere Tage, wir dürfen das zur Kenntnis nehmen. Es ist normal, dass im sozialen Miteinander Dinge auch einmal daneben gehen, wir dürfen hier nachsichtig mit uns umgehen. Was zählt, ist die grundsätzliche Ausrichtung auf das Richtige. Nachjustieren und dazu lernen kann man immer. Fehler, die uns immer und immer wieder begegnen in unserem Verhalten unseren Kindern gegenüber, deuten auf einen eigenen innerseelischen Konflikt hin, wir wiederholen Dinge, bis wir sie verstanden und gelöst haben. Darum ist Innenarbeit so wichtig.
Es gilt, eine Entscheidung zu treffen
Der zweite Geburtstag meines Kindes war für mich ein Weckruf, ich wusste, ich konnte von nun an entweder bei sich häufig im Alltag anbietenden Situationen schimpfen und in Konfrontation gehen mit meinem Kind, was immer wieder mal vorgekommen ist, oder ich kann anhand der einzelnen Konfrontationen mit meinem Kind, im Nachgang Innenarbeit leisten und mir ansehen, was genau warum, wie passiert ist und wo mein Fehler lag. Auf diese Weise habe ich viele Situationen nachbearbeitet, auf diesem Wege eigene Trigger und Kindheitswunden aufgedeckt und mehr und mehr für mich abgeleitet, wie die Begleitung meines Kindes richtig und auf den Punkt aussehen kann. Ich gehe hierbei so vor, wie in jeder anderen Transformationssitzung oder einer Sitzung in Cranio Sacraler Körperarbeit auch. Auf diese Weise konnte ich auch von mir verursachte Verletzungen in meinem Kind aufdecken und emotional wieder herauslösen.
Rund um die Geburtstage wollen Entwicklungsschritte abgerundet werden
Besonders rund um die Geburtstage, an denen Entwicklungsschritte anstehen, werden für mich Fehler oder Verabsäumungen in der Begleitung unserer Kinder stark spürbar. An dieser Stelle ist es besonders wichtig, entstandene Blockaden noch einmal nachzukorrigieren, damit das Kind die Entwicklungsschritte des rund werdenden Lebensjahres möglichst optimal abschließen kann und weiter gehen kann zu den nächsten Aufgaben. Unser Gehirn ist plastisch, Erlerntes kann auch wieder verlernt und ungünstige Erfahrungen können bis zu einem gewissen Grad auch verarbeitet und integriert werden.
In meinem nächsten Blogbeitrag geht es um „das toxische Bild vom Kind“ und wie es unser Verhalten unseren Kindern gegenüber beeinflusst. Wir sehen uns an, wie Kinder in der Kindheit der heutigen Elterngeneration gesellschaftlich gesehen wurden. Ebenso betrachen wir, welche EInstellungen heute noch aktuell sind und in uns meist unbewusst und unreflektiert wirken, um sie sichtbar zu machen und zu lösen.
Herzlich, Karoline
