Halte den Raum für deine Kinder
Kennst du das auch? Eigentlich hast du dir vorgenommen, beim nächsten Mal anders zu reagieren und trotzdem hast du dich deinem Kind gegenüber kürzlich wieder ziemlich forsch verhalten. Nun quälen dich ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe.
Ich möchte dir heute etwas darüber erzählen, wie du diesen Kreislauf von guten Vorsätzen und Selbstvorwürfen ein für alle mal beenden kannst!
Beginne damit, eine Grundhaltung einzunehmen, in der du die Kontrolle darüber, wie dein Kind zu sein hat, abgibst. Du bist ein Elternteil, aber dein Kind ist eine eigenständige Person mit eigener Persönlichkeit. Du kennst den Bauplan und die Seelenaufgaben deines Kindes nicht und bist nicht für seine Eigenschaften und Ambitionen verantwortlich. Dein Kind darf grundsätzlich sein wie es ist und ist auch okay genauso wie es ist. Wir dürfen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass uns die Persönlichkeit unseres Kindes im Grunde nichts angeht. Dein Einflussbereich endet bei dir selbst. Das ist doch einmal ein Grund durchzuatmen oder?
Öffne dich darüber hinaus dem Gedanken, dass du allem, was in deinem Kind sichtbar wird, mit einer neutralen Haltung begegnest. Wut ist hier genauso willkommen wie Freude. Beides ist eine Form von Erleben, ein Ausdruck von lebendigem Sein. Keiner der beiden Gefühlszustände ist besser oder schlechter als der andere. Beides erlebt und wahrgenommen werden, frei von Bewertung.
Stelle dir nun vor, du bist ein Raumhalter, den Raum hält für deine Kinder. Du hältst, wenn du mit deinen Kindern zusammen bist, einen Raum der bedingungslosen Liebe für das Verhalten und die Gefühle deiner Kinder.
In diesem Raum dürfen Kinder toben, schreien, lachen, weinen. Es darf auch mal gehaut, gebissen, gerauft und alle Emotionen dürfen frei ausgelebt werden.
In diesem Raum dürfen können auch einmal Schimpfwörter gesagt werden, Kinder dürfen sich mitunter auch schadenfroh oder eigennützig zeigen. In diesem Raum wird auch mal nicht geteilt sondern geschubst und geeifert.
In diesem Raum darf alles da sein, was in den Kindern gerade lebendig ist. Es ist bereits da, es zu verneinen, würde alles verkomplizieren. Man kann das, was da ist, nicht wegbekommen, indem man sich darüber aufregt. Reagiert man mit Ablehnung auf etwas, das sich in einem Kind zeigt, können dort Blockaden und Selbstunsichreheiten entstehen. Es ist da, es zeigt sich und es will angenommen sein, so wie es ist, dann kann es sich, wenn nötig, auch auf gesunde Weise wandeln und ganz natürlich weiterentwickeln. Mit Liebe wachsen wir immer.
In diesem Raum dürfen sich Kinder so erleben, wie sie gerade da sind.
Führe deine Kinder liebevoll und souverän
Ist dir das zu heftig? Zu ungewohnt? Hier braucht es eine feste Grundhaltung und eine liebevolle und souveräne Führung.
Haben wir Eltern das gelernt? Nein! Ich gehe ebenso durch diese Schule und bin dabei es zu lernen und ich möchte meine Erkenntnisse darüber mit dir teilen.
Aus der Gewaltfreien Kommunikation kennen wir den Begriff „Schützende Anwendung von Macht“ Diese Macht wenden wir an, um unser Kind zu schützen, damit es sich und anderen nicht ernstlich weh tut.
Wenn wir merken, es läuft etwas aus dem Ruder, dann kann man ohne Vorwürfe und ohne sich im Ton zu vergreifen auf friedliche und neutrale Weise in eine Situation eingreifen und ein Kind auch einmal physisch und gewaltfrei aus dem „Gefahrenbereich“ bringen.
Ein Kind kann von etwas abgehalten oder zurückgehalten werden. Wir können Lösungen anbieten oder gemeinsam erarbeiten mit den Kindern und Handlungsalternativen anbieten.
Es ist wichtig, beiden Parteien in einem Konflikt empatisch zu begegnen. Der der zum Beispiel gehaut hat, war ebenso in Not wie der, der gehaut wurde. Beide Seiten wollen reflektiert werden.
Es ist auch wichtig, mit ihnen zu kommunizieren, dass es normal ist, dass man auch mal jemanden hauen, oder schubsen möchte. Auch diese Gefühlsregungen sind menschlich und normal.
Es kann auch sein, dass ein Kind Schadenfreude zeigt, wenn es ein anderes Kind gehaut hat und dieses dann weint. Eltern sollten wieder lernen, ihre Kinder für solches Verhalten nicht abzulehnen. Wir sollten uns selbst für diese Gefühle nicht mehr ablehnen. Wir dürfen unseren Kindern vermitteln, dass es normal ist, auch solche Gefühle zu haben, und ihnen Strategien für den konstruktiven Umgang damit zeigen. Sie werden es mit der Zeit lernen.
Wenn wir unseren Kindern mit Wut und Ablehnung begegnen, wenn sie sich uns ehrlich zeigen, dann werden sie diese Tendenzen heimlich weiterführen oder sie von sich abspalten und in sich ablehnen. Wir dürfen diese Haltung mehr und mehr aufgeben und erkennen, dass Tag und Nacht gleichermaßen in uns angelegt sind. Mit Liebe wandeln wir, nicht mit Ablehnung.
Wird es uns immer gelingen, unsere Kinder so präsent und neutral zu begleiten? Wahrscheinlich nicht und auch das ist in Ordnung. Wir können es aber zu unserer Grundhaltung machen, alle Kinder liebevoll und bedingungslos in ihrem Wesen zu begleiten, die starken, die schwachen, die lauten, die leisen, die jähzornigen, die ängstlichen, die groben, die empfindlichen, die friedlichen, die wilden und alle anderen auch. Wenn wir uns innerlich darauf ausrichten, wird es uns auch immer öfter gelingen.
In der Begleitung von Kindern sollten wir frei von Beurteilung sein.
Kinder lernen im Umgang miteinander. Sie erkennen, wenn sie einmal zu weit gegangen sind, sie wollen es auch wieder ins Gleichgewicht bringen. Wir dürfen hier ein Stück weit die Beobachterrolle einnehmen und unseren Kindern vertrauen, dass sie voneinander lernen und miteinander wachsen. Mischen wir uns nicht mehr ein als nötig.
Es ist so wichtig, die Dinge lockerer und mit mehr Humor zu sehen.
Seelenfrieden setzt ein wenn..
Wenn du ein bedingungsloses und liebevolles Feld für dein Kind wirst, endet die Gewalt.
Alles darf dann sein, in mir und im anderen. Das Urteilen hört auf, wir verurteilen uns selbst und andere ständig, anstatt uns zu fragen: Was ist in dir gerade lebendig? Was ist in mir gerade lebendig?
Irgendwann haben wir damit begonnen an den Ernst des Lebens zu glauben. Manches ist ernst, aber lassen wir die Familie zu keinem ernsten Ort werden, sondern ein zu einem sicheren Ort voller Geborgenheit und gegegnseitiger Annahme für uns alle .
Wenn wir das begriffen haben, dann endet das schlechte Gewissen. Der Kreislauf der Gewalt wird damit durchbrochen.
Was ist in dir gerade lebendig?
Herzlich, Karoline
